Erfahrungsbericht: Margit Scherer Lange
 Kuraufenthalt
 in Sulthan Bathery/Wayanad/Indien
18. Januar bis 16. Februar 2013

Nach einer anstrengenden Nacht im Bus bin ich gemeinsam mit meinem Sohn wohlbehalten in Sultan Bathery auf einer Höhe von etwa 800 Metern angekommen. Wir hatten bereits einige Tage in der Gegend von Cochin verbracht und so eine etwas weitere Anreise zum eigentlichen Ziel.

 

Ayurveda Spezialist Herr. Sajan zeigt uns die Anlage mit den geräumigen und sauberen Zimmern, einer Pharmazie und einem wunderschönen „Pflanzengarten“ mit Kaffeeplantage und einer netten Hütte zum relaxen. Wir fühlen uns sofort wohl. Der Ablaufplan wird besprochen, die erste Synchron-Ölmassage folgt. Am Nachmittag wird der erste Ausflug unternommen. Teeplantagen säumen terrassenförmig an den steilen Hängen den Weg. Die Landschaft wirkt friedlich. Die Menschen sind sehr freundlich, lassen sich  gerne fotografieren. Eine Frau zeigt uns ihre kleine Farm – rote Bananen, gelbe kleine Bananen, Vanille – eine unglaubliche Vielfalt. Auf dem Weg liegen Kaffeefrühte zum Trocknen. Die Eindrüke sind umwerfend.

 

Allmälich wird der Köper auf die Behandlungen eingestellt. Kopf-, Gesicht-, Ganzköpermassage (Abhyanga), Dampfbad. Die Anwendungen 
werden individuell, der Problematik des Gastes entsprechend, durchgefürt. Ein Rhythmus von 7 Tagen bestimmt die Abfolge, wie z.B. Kräterstempel (Elakkizhi), Reis-Milch-Stempel (Njavarakkizhi), Ölbad (Pizhichil), Stirnguss (Shirodhara). Auf den Kopf kommt ein Pulver aus einer Mischung aus Erde und Krätern gegen Erkätung. Frauen behandeln Frauen, Mäner behandeln Mäner. Meine beiden Therapeutinnen sind sehr freundlich, unterhalten sich gerne, soweit uns das durch die Sprachbarriere mölich ist und geben sich große Müe. Wir haben viel Spaß miteinander. In der kleinen Pharmazie gibt es die Mölichkeit zuzuschauen, wie die Medikamente oder Öle noch in Handarbeit hergestellt werden. Gerne bekommen wir die einzelnen Schritte gezeigt und könen so hautnah bei den Prozessen dabei sein. 


Im Hause gibt es tälich frisch zubereitete Mahlzeiten. Zum Früstük werden wir beispielsweise mit Dosas (Reismehlpfannkuchen), Idli (fermentierter Reiskuchen) und Sambar, einer Art Gemüsesuppe verwöhnt. Die Hauptgerichte werden von Ayurveda Spezialist Herr. Sajan regelrecht zelebriert. Wir bekommen die einzelnen Currys (verschiedene Gemüse)und ihre Wirkungsweise erklärt. 

Der Nachmittagstee darf natürlich nicht fehlen. Auch abends gibt es immer ein warmes Gericht. Obst, vor allem Bananen in vielen Variationen stehen täglich mit auf dem Speiseplan. Das ist alles sehr spannend und lehrreich. Die Speisen sind angenehm gewürzt und auf den europäischen Magen abgestimmt. Auch erzählt uns Ayurveda Spezialist Herr. Sajan viel über das Leben im Land, über Religion, über die Bevölkerungsgruppen wie Hindu, Christen und Muslime, über Bildung und vieles mehr. In den ersten Tagen habe ich das Gefühl schon Wochen hier zu sein, weil wir eine solche Fülle von Informationen geboten bekommen, die verarbeitet werden wollen. 

 

Außerdem unternehmen wir zahlreiche Ausflüge (siehe oben) und erfahren dadurch hautnah sehr viel über die Menschen, die ausnahmslos freundlich sind. Das Wayanad  mit seinen Kokospalmwäldern, den Bananen-, Kaffee- und Teeplantagen, seinen versteckten   Seen, den ausgedehnten Reisfeldern, den Feldern voller Ingwerpflanzen, den beiden Naturschutzgebieten offenbart immer wieder fantastische oder idyllische Anblicke.
Ich kann jedem nur empfehlen, eine solche sehr persönlich gestaltete Kur zu machen, sich auf das fremde Land, seine Menschen, die Kultur und auch den Takt einzulassen. Vielleicht schafft es der eine oder die andere dann auch etwas davon mit in das Heimatland mit zu nehmen und bei manchen Dingen gelassener zu bleiben.

Hinzufügen möchte ich noch, dass der Verkehr in den Städten für europäische Verhältnisse fürchterlich ist, dennoch bleiben die Menschen wesentlich gelassener.
Wer es sich zeitlich leisten kann, der sollte noch ein wenig das Land bereisen um noch tiefer einzutauchen.


-Margit Scherer-Lange