Agni oder das Element Feuer besitzt eine sehr hohen Stellenwert innerhalb der ayurvedischen Lehre. Es besteht die Auffassung, dass alle Transormationen oder Umwandlungen im gesamten Universum und im Körper durch Agni vollzogen werden. Mit anderen Worten gesagt, ist Agni der Mediator in all diesen Verwandlungsprozessen. Im Zusammenwirken mit seinem dualen Partner', Wasser, hält es alles im Universum aufrecht. Wasser ist die aufbauende weibliche Kraft, da es die Teilchen mehr zusammenfügt oder aneinander bindet und so die Schöpfung und das Wachstum in der materiellen Welt gewährleistet. Agni hingegen zerlegt das, was geschaffen ist, baut es ab, bringt es in die Auflösung. Gemeinsam bilden Feuer und Wasser das Pitha-Dosha innerhalb der ayurvedischen Grundprinzipien, welches das Leben durch einen ausgeglichenen Stoffwechsel aufrechterhält.

 

 Man kann sich die Elemente Feuer und Wasser auf der kosmischen Ebene bildhaft wie zwei große Ströme vorstellen, die in entgegengesetzte Richtungen fließen und entweder einen Aufbau oder einen Abbau fördern. Es ist aber wichtig, zu erwähnen, dass Feuer und Wasser nicht im wörtlichen Sinne zu verstehen sind. Das, was wir im materiellen Sinne als Feuer und Wasser sehen, ist lediglich die äußere Manifestation dieser Elemente in spezifischen Erscheinungsformen. Sie existieren aber auf verschiedenen Ebenen in jeweils unterschiedlichen Formen.

 

 Wie zwei einander entgegengesetzte Flussrichtungen, die in kreisförmige Bewegungen einmünden und Strudel bilden, entsteht und besteht alles im Universum.  Alles in diesem Universum folgt einem zyklischen Verlauf und unterliegt dualen Kräften, welche sich in einem gewissen Gleichgewicht halten. Die einfachste und bekannteste Darstellung dieser Dualität finden wir in dem Symbol von Yin und Yang. Der spirituelle Lehrer und Reformer, Sri Narayana Guru vergleicht dies mit zwei großen in voller Blüte stehenden, rankenden Pflanzen, die sich gegenseitig umschlingen und in entgegengesetzte Richtungen Wachsen. Das Zentrum von Agni befindet sich gemäß ayurvedischer Sicht in der Region des Bauchnabels oder am Beginn des Dünndarms. Indem Agni in diesem Bereich lokalisiert ist, so heißt es, unterstützt es alle anderen Agnis im Körper, welche Erweiterungen desselben darstellen. Hinter jedem Aufbau- oder Abbauprozess, ganz gleich auf welcher Ebene, ob physisch oder mental, können wir auf die Präsenz irgend einer Form von Agni schließen. Das Denken ist letztendlich auch eine Art von Verdauungsprozess, weshalb es von Menschen mit Pitha-Konstitution heißt, dass sie intelligent sind und über die Fähigkeit verfügen, auf schnelle Weise die Logik einer Sache zu erfassen, das Wesentliche herauszusondern und rasch Lösungsansätze für ein Problem oder eine Aufgabe zu finden.

 

 Im Ayurveda werden sieben Hauptarten von Agni unterschieden, welche für die Umwandlung der sieben Grundmaterialien des Körpers, der sog. Dhatus, zuständig sind. Agni erscheint hier in zwei Aspekten, als Licht und als Wärme. In den niederen Formen von Agni  überwiegt die Wärme und in den höheren Formen, das Licht. Oder anders gesagt, sind die niederen Formen mehr für die Umwandlungen auf der materiellen Ebene zuständig, die mittleren für die energetischen Umwandlungen und die höheren für die Transformationen auf der Bewusstseinsebene. Die letztendliche materielle Grundessenz des Körpers ist das Sukla-Dhatu, das Keimplasma, in Form von Samen- und Eizelle. Dieses Keimplasma verwanlelt sich in Ojus, welches eine reine, lichte Ausstrahlung dieser Materialien in der Summe vermittelt und auch die Stärke des Immunsystems ausmacht. Ojus zeigt sich beispielsweise als Anziehungskraft und reine Ausstrahlung einer Person. Diese ist in der Jugend auf ganz selbstverständliche Weise durch eine gute und ausgeglichene Stoffwechselkraft gegeben, vergleichbar mit der stärksten Glut in einem brennenden Feuer. Im Alter jedoch beruht das Ojus auf der spirituellen Entwicklung und Reife des Charakters, was vielleicht mehr dem Schein eines Diamanten gleichkommt.

 

Ojus ist wie die Essenz des Lebens, welche als das letztendliche und höchste Produkt aus dem Stoffwechsel hervorgeht. Wenn wir von den zyklischen Transormationen im Gesamten ausgehen, welche aus dem Zusammenwirken von Feuer und Wasser entstehen, so bildet das Agni im Verdauungstrakt den unteren Pol, wo die Wärme ihren Ausgangspunkt besitzt. Ojus hingegen bildet den oberen Pol, von wo aus eine Abkühlung entsteht. So wie das Agni im Verdauungstrakt alle katabolischen Prozesse aktiviert und unterstützt, so unterstützt Ojus alle anabolischen, aufbauenden Vorgänge. Ausgehend von dem Bild von Sree Narayana Guru, ist das Agni im Verdauungstrakt die Basis der einen Pflanze und das Ojus die Basis für dessen dualen Partner. Alle Enzyme, Hormone, Säuren u.s.w. sind direkt oder indirekt mit diesen beiden Polen in Verbindung. And that makes appetite and digestion highly important in Ayurveda view. Daher nimmt die Verdauung im Ayurveda einen sehr hohen Stellenwert ein.

 

Es gibt vier verschiedene Zustandsformen von Agni:

 

1. Sama (ausgeglichen): Bezeichnet den Idealzustand von Agni in dem sich die Intensität in Übereinstimmung befindet mit dem Ort und der Zeit, was einem sanften und homogenen Stoffwechselfluss entspricht. Die Zeichen eines solch ausgeglichenen Agni sind, Hunger zur rechten Zeit und darin, dass die Verdauung und der Stoffwechsel auf beste Weise funktionieren.

 

2. Mandam (schwach oder träge): Das Agni ist schwach und führt zu Verdauungsstörung, Apetitlosigkeit, Minderung oder Verlust des Geschmacksempfindens, Übelkeit, Schweregefühl, Blähungen im Magen und Darm u.s.w.. Dieser Zustand ist bildlich vergleichbar mit einem Fluss, der über ein sehr geringes Gefälle fließt und daher nur eine schwache Flließkraft besitzt.

 

3. Theekshnam (intensiv): Agni befindet sich auf einer überaus hohen Intensitätsstufe, so dass es selbst die Grundmaterialien des Körpers und das Ojus verbrennt. Die Folge davon sind schwere Infektionen und degenerative Erkrankungen. Agni ist hier vergleichbar mit einem schnell fließenden, reißenden Fluss.

 

4. Vishama (unregelmäßig oder chaotisch): Der Fluss von Agni ist hier sehr turbulent und cbaotisch, indem er in manchen Abschnitten langsam fließt und in anderen wieder sehr schnell, während in einigen Abschnitten so gut wie keine Bewegung stattfindet oder sich an bestimmten Punkten Strudel bilden. Diese Funktionsweise von Agni führt zu sehr unregelmäßigem und unkontrolliertem Apetit und Heißhunger.

 

[Übersetzt von Christine Hein]

©Sajan kumar

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